Grundlagen

Factoring oder Forfaitierung: zwei Formen des Forderungsverkaufs

Beide verkaufen offene Forderungen, doch Laufzeit, Forderungstyp und Einsatzbereich trennen die Instrumente deutlich. Wo die Grenze verläuft.

Benjamin Bohrmann Redaktion: Benjamin Bohrmann  |  Zuletzt fachlich geprüft: 1. Juni 2026
Vergleichsgrafik zu Factoring und Forfaitierung mit gemeinsamem Oberbegriff Forderungsverkauf sowie zwei gleichwertigen Spalten zu Laufzeit, Forderungstyp und Einsatzbereich.
Kurz gesagt
Factoring und Forfaitierung sind beide Formen des Forderungsverkaufs und rechtlich eng verwandt. Der Unterschied zeigt sich in der Praxis: Factoring betrifft meist laufende, kurzfristige Forderungen aus wiederkehrenden Geschäften, Forfaitierung dagegen einzelne, oft mittel- bis langfristige Forderungen, häufig aus dem Export- oder Projektgeschäft.

Die gemeinsame Grundlage

Im Kern verfolgen Factoring und Forfaitierung dasselbe Ziel: Ein Unternehmen verkauft offene Forderungen an einen Dritten und erhält dafür sofort Liquidität, statt auf das Zahlungsziel des Kunden zu warten. Rechtlich lassen sich die beiden Instrumente kaum trennen, in beiden Fällen handelt es sich um einen Forderungskauf mit Abtretung. Die praktische Abgrenzung ergibt sich deshalb weniger aus dem Gesetz als aus Einsatzform, Laufzeit und Forderungsstruktur.

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine laufenden Forderungen meist gebündelt und fortlaufend. Der Factor zahlt einen Großteil des Rechnungsbetrags vorab und übernimmt je nach Modell zusätzlich das Ausfallrisiko und das Forderungsmanagement. Charakteristisch ist der wiederkehrende, revolvierende Charakter: Es geht um den dauerhaften Strom vieler kleinerer Rechnungen.

Die Forfaitierung, auch Forfaiting genannt, bezeichnet dagegen den Verkauf einzelner, meist hoher Forderungen. Der Begriff stammt vom französischen à forfait, also „in Bausch und Bogen“, und meint den Ankauf einer Forderung als Ganzes samt ihrer Risiken. Angeboten wird sie häufig von Banken, weil hohe Einzelbeträge sofort ausgezahlt werden. Üblich sind eher größere Forderungen und längere Laufzeiten, teils über mehrere Jahre. Neben dem klassischen Exportgeschäft dient die Forfaitierung auch als Refinanzierungsmittel bei Leasinggeschäften, wenn der Leasinggeber das überlassene Wirtschaftsgut über die abgetretene Forderung finanziert.

Wo sich beide Instrumente trennen

Der Nutzwert dieser Gegenüberstellung liegt nicht in einer Wertung, sondern in der sauberen Abgrenzung. Keines der beiden Instrumente ist grundsätzlich besser, sie bedienen unterschiedliche Situationen. Die folgende Tabelle stellt die wesentlichen Merkmale nebeneinander.

Merkmal Factoring Forfaitierung
Forderungstyp Viele laufende Forderungen, meist kleinere Beträge Einzelne Forderung oder Forderungspaket, oft hoher Betrag
Laufzeit Kurzfristig, entlang üblicher Zahlungsziele Mittel- bis langfristig, teils mehrere Jahre
Einmalig oder laufend Laufend und revolvierend Fallweise, meist einzelne Geschäfte
Typischer Einsatz Wiederkehrende Lieferungen und Leistungen Export- und Projektgeschäft, Investitionsgüter
Regress Echtes Factoring ohne Regress, unechtes mit Regress Echte Forfaitierung ohne Regress, unechte mit Regress
Kostenstruktur Factoringgebühr und Finanzierungszins, laufend Abschlag auf den Forderungsbetrag, pro Geschäft
Branche und Kontext Viele Branchen, national und international Schwerpunkt internationaler Handel und Export
Vertragslogik Rahmenvertrag über fortlaufenden Ankauf Einzelvereinbarung für die konkrete Forderung
Forderungsmanagement Je nach Modell durch den Factor In der Regel keine Zusatzleistungen außer Inkasso
Zeitachse zur Abgrenzung von laufendem Factoring und einzelner Forfaitierung
Factoring begleitet einen laufenden Forderungsstrom, Forfaitierung betrifft meist einzelne größere Forderungen mit längerer Laufzeit.

Die wichtigste Trennlinie verläuft zwischen laufend und einmalig. Factoring ist auf den dauerhaften Forderungsstrom eines Unternehmens ausgelegt, während die Forfaitierung ein einzelnes, oft großes Geschäft finanziert. Daraus ergeben sich die übrigen Unterschiede fast von selbst: andere Laufzeiten, andere Anbieter und ein anderer Leistungsumfang. Anders als beim Export-Factoring, das den laufenden Auslandsforderungsstrom abbildet, zielt die Forfaitierung auf das einzelne Exportgeschäft mit langer Laufzeit.

Für die Wahl heißt das: Wer fortlaufend Rechnungen stellt und daraus planbare Liquidität gewinnen will, denkt eher in Richtung Factoring. Wer ein einzelnes, hochvolumiges Geschäft mit langem Zahlungsziel absichern und vorfinanzieren möchte, ist mit der Forfaitierung näher am Ziel. Die Begriffe werden zwar oft synonym verwendet, doch die Entscheidung sollte sich an der Struktur der Forderungen orientieren, nicht am Namen des Instruments.

Echte und unechte Forfaitierung

Wie beim Factoring wird auch bei der Forfaitierung zwischen einer echten und einer unechten Variante unterschieden, und der Unterschied liegt im Umgang mit dem Ausfallrisiko. Bei der echten Forfaitierung übernimmt der Forfaiteur das Delkredererisiko vollständig: Fällt der Schuldner aus, trifft das allein den Käufer der Forderung, nicht den Verkäufer. Bei der unechten Forfaitierung bleibt das Risiko unter bestimmten Bedingungen beim Verkäufer.

In der Praxis ist die echte Forfaitierung der Regelfall, gerade im Auslandsgeschäft. Dort sollen ja häufig genau jene Risiken ausgelagert werden, die ein Exportgeschäft mit sich bringt, etwa eine schwer einschätzbare Bonität ausländischer Abnehmer, Währungsschwankungen oder politische Risiken. Die unechte Forfaitierung bildet deshalb eher die Ausnahme.

Häufige Fragen

Ist Forfaitierung dasselbe wie Factoring?

Rechtlich sind sich beide sehr ähnlich, da es in beiden Fällen um den Verkauf von Forderungen geht. In der Praxis unterscheiden sie sich vor allem darin, dass Factoring laufende, kleinere Forderungen betrifft und die Forfaitierung einzelne, hohe und längerfristige.

Für welche Unternehmen eignet sich Forfaitierung?

Vor allem für Unternehmen mit einzelnen großen Geschäften und langen Zahlungszielen, etwa Exporteure von Investitionsgütern. Gerade dort lassen sich über die echte Forfaitierung auch Risiken auslagern, die im Auslandsgeschäft entstehen, etwa eine schwer einschätzbare Bonität oder Währungsschwankungen. Wer dagegen viele laufende Rechnungen stellt, ist mit Factoring meist besser bedient.

Wer bietet Forfaitierung an?

Häufig sind es Banken, weil die Auszahlung hoher Einzelbeträge entsprechende Kapazitäten voraussetzt. Factoring wird dagegen überwiegend von spezialisierten Factoringgesellschaften angeboten.