Was der Factor prüft
Beim Einstieg ins Factoring prüft der Anbieter das Unternehmen, die Forderungen und die Debitoren. Diese drei Bereiche gewichten je nach Modell unterschiedlich stark.
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ForderungsqualitätSind die Forderungen aus abgeschlossenen Leistungen, einredefrei, abtretbar und gut dokumentiert?
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DebitorenbonitätWie zahlungsstark und zuverlässig sind die Kunden? Wie breit ist der Kundenstamm gestreut?
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UnternehmensbonitätArbeitet das Unternehmen wirtschaftlich seriös? Besteht ein Veritätsrisiko bei den eingereichten Forderungen?
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ForderungsvolumenIst das regelmäßige Volumen ausreichend, damit sich ein Vertrag für beide Seiten rechnet?
Forderungsqualität
Der wichtigste Prüfpunkt sind die Forderungen selbst. Eine Forderung ist für den Factor ankaufbar, wenn sie die folgenden Grundbedingungen erfüllt.
Debitorenstruktur und Debitorenbonität
Für den Factor ist entscheidend, wer die Rechnungen bezahlt. Die Debitorenbonität ist beim Echten Factoring oft wichtiger als die eigene Unternehmensbonität, weil der Factor das Ausfallrisiko der Debitoren übernimmt.
- Zahlungsstarke, bonitätsgeprüfte Kunden
- Kundenstamm breit gestreut
- Stabile, wiederkehrende Kundenbeziehungen
- Wenig Reklamationen und Streitfälle
- Klar dokumentierte Zahlungsvereinbarungen
- Konzentration auf wenige oder einen Großkunden
- Kunden mit schlechter Bonität oder Zahlungshistorie
- Hohe Reklamations- oder Rückgabequote
- Unklare oder nicht prüfbare Kundenbeziehungen
- Viele Privatkunden ohne klare Abtretbarkeit
Eigene Unternehmensbonität
Das verkaufende Unternehmen wird ebenfalls geprüft, auch wenn die Debitorenbonität oft schwerer wiegt. Der Factor will sicherstellen, dass keine betrügerischen oder nicht existenten Forderungen eingereicht werden. Dieses sogenannte Veritätsrisiko ist ein zentraler Prüfpunkt.
Unternehmen mit angespannter Eigenkapitallage können Factoring häufig trotzdem nutzen, sofern ihre Forderungen qualitativ gut sind. Factoring ist aber kein Sanierungsinstrument für insolvenzgefährdete Betriebe. Beim Stillen Factoring oder Inhouse-Factoring gelten in der Regel höhere Anforderungen an die eigene Bonität, weil der Factor die Forderungen weniger direkt kontrollieren kann.
Welche Auswirkungen das Factoring-Modell auf die Risikoverteilung hat, erklärt die Seite zu den Risiken beim Factoring.
Forderungen, die nicht ankaufbar sind
Nicht jede Forderung eignet sich für den Verkauf. Die folgende Übersicht zeigt typische Ausschlussgründe.
| Ausschlussgrund | Erklärung |
|---|---|
| Nicht abgeschlossene Leistung | Anzahlungen, laufende Projekte, nicht abgenommene Arbeiten. |
| Strittige Forderung | Offene Mängelrüge, Reklamation oder Gegenrechnung des Debitors. |
| Abtretungsverbot | Vertragliche oder gesetzliche Einschränkung der Abtretbarkeit. |
| Bereits abgetreten oder belastet | Forderung ist bereits an Dritte verpfändet oder abgetreten. |
| Stark überfällig | Factoring setzt früher an als Inkasso. Lange überfällige Forderungen werden meist nicht angekauft. |
| Sehr kurzes Zahlungsziel | Wenn Kunden faktisch sofort zahlen, gibt es keine sinnvolle Liquiditätslücke. |
| Stark individualisierte Leistung | Bei Sonderanfertigungen mit hohem Rückgaberisiko lehnen viele Anbieter ab. |
Startups und junge Unternehmen
Junge Unternehmen ohne lange Zahlungshistorie werden von manchen Anbietern zurückhaltender geprüft. Ausgeschlossen sind sie aber nicht. Entscheidend ist auch hier die Forderungsqualität: Wer regelmäßige, unstrittige Rechnungen an bonitätsstarke Kunden stellt und diese sauber dokumentiert, findet in der Regel Anbieter, die auch ohne mehrere Jahresabschlüsse einen Vertrag abschließen.
Was junge Unternehmen mitbringen sollten: erste nachweisbare Umsätze, klare Kundenbeziehungen mit dokumentierten Aufträgen und eine transparente Buchhaltung. Manche Anbieter haben sich explizit auf Wachstumsunternehmen spezialisiert.
Häufige Fragen
Welche Voraussetzungen müssen für Factoring erfüllt sein?
Im Kern braucht es ankauffähige Forderungen aus abgeschlossenen Leistungen, abtretbare Forderungen ohne Rechte Dritter, bonitätsstarke Debitoren und ein regelmäßiges Forderungsvolumen. Die eigene Unternehmensbonität spielt eine Rolle, ist aber oft weniger entscheidend als die Qualität der Forderungen und die Zahlungsfähigkeit der Kunden.
Gibt es einen Mindestumsatz für Factoring?
Viele Anbieter setzen Mindestvolumina, die je nach Anbieter und Zielgruppe stark variieren. Wichtiger als ein absoluter Schwellenwert ist die Regelmäßigkeit: Planbare, wiederkehrende Forderungen sind für Anbieter attraktiver als sporadisches Volumen. Wer sehr selten oder sehr kleine Rechnungen stellt, wird häufig auf Mindestgebühren stoßen, die Factoring unwirtschaftlich machen.
Können Unternehmen mit schlechter Bonität Factoring nutzen?
Eingeschränkt ja. Beim Echten Factoring trägt der Factor das Ausfallrisiko gegenüber den Debitoren. Deshalb ist die Debitorenbonität oft wichtiger als die eigene. Unternehmen mit angespannter Eigenbonität können Factoring nutzen, wenn ihre Forderungen qualitativ gut sind und die Kunden zuverlässig zahlen. Factoring ist aber kein Sanierungsinstrument für insolvenzgefährdete Betriebe.
Kann ein Startup oder junges Unternehmen Factoring nutzen?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Entscheidend sind Forderungsqualität, bonitätsstarke Kunden und saubere Dokumentation. Wer erste Umsätze und klare Kundenbeziehungen nachweisen kann, findet in der Regel Anbieter, die auch ohne mehrere Jahresabschlüsse einen Vertrag abschließen.
Welche Forderungen sind nicht für Factoring geeignet?
Nicht ankaufbar sind typischerweise: Forderungen aus nicht erbrachten Leistungen, strittige Forderungen mit offenen Mängelrügen, Forderungen mit Abtretungsverbot, stark überfällige Forderungen und Forderungen ohne ausreichende Dokumentation. Auch sehr kurze Zahlungsziele oder stark individualisierte Leistungen mit hohem Rückgaberisiko erschweren den Forderungsankauf.
Im Praxis-Bereich
- Wann lohnt sich Factoring?Welche Unternehmensprofile profitieren, ab wann die Kosten den Nutzen übersteigen und wie sich die Wirtschaftlichkeit einschätzen lässt.
- Factoring im MittelstandStrukturmerkmale des Mittelstands, typische Einsatzkontexte und Abgrenzung nach Unternehmensgröße.
- Typische Fehler beim Factoring-EinstiegHäufige Fehler bei der Anbieterauswahl, Vertragsgestaltung und im laufenden Betrieb sowie Hinweise, wie sie sich vermeiden lassen.
- Der FactoringvertragWas ein Factoringvertrag regelt, welche Klauseln wichtig sind und worauf Unternehmen beim Vertragsabschluss achten sollten.
- Praxis-ÜbersichtAlle Praxis-Themen im Überblick: Eignung, Einstieg, Branchenbesonderheiten und typische Fehler.
