- Was ist Factoring?
- Grundablauf von Factoring
- Die drei Beteiligten
- Abgrenzung zu Kredit, Inkasso und Forfaitierung
- Wichtige Factoring-Arten im Überblick
- Was Factoring kostet
- Rechtliche Grundlagen und Aufsicht
- Markt und Verbreitung in Deutschland
- Wann Factoring sinnvoll sein kann
- Was echte Check-Daten zeigen
- Factoring-Eignungs-Check
- Weiterführende Bereiche
- Häufige Fragen
Was ist Factoring?
Factoring ist eine Form der Unternehmensfinanzierung, bei der ein Unternehmen seine offenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen laufend an eine Factoringgesellschaft verkauft. Anstatt auf den Zahlungseingang des Kunden zu warten, erhält das Unternehmen nach Ankauf und Freigabe der Rechnung einen Vorschuss von meist 80 bis 90 Prozent der Bruttoforderung. Der Rest wird nach dem tatsächlichen Zahlungseingang oder einer vereinbarten Frist überwiesen.
Im Kern verändert Factoring die Stellung der Forderung im Unternehmen. Aus einer offenen Rechnung mit einem Zahlungsziel von 30, 60 oder 90 Tagen wird ein Vermögenswert, der sich kurzfristig in Liquidität verwandelt. Das Unternehmen tauscht eine Forderung gegen Geld. Diese Logik ist der wichtigste Unterschied zu klassischen Finanzierungen, bei denen das Unternehmen neue Verbindlichkeiten aufnimmt.
Factoring wird in Deutschland vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen genutzt, ist aber auch in Konzernstrukturen verbreitet. Für den Mittelstand ist es eine bankenunabhängige Möglichkeit, Liquidität zu stabilisieren, Zahlungsziele zu überbrücken und den Kreditrahmen nicht zusätzlich zu belasten.
Fachlich werden beim Factoring drei Funktionen unterschieden. Die Finanzierungsfunktion bezeichnet die Vorfinanzierung der Forderung, die Delkrederefunktion die Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factor und die Dienstleistungsfunktion das Forderungsmanagement, etwa Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen. Welche dieser Funktionen ein Vertrag umfasst, hängt vom gewählten Modell ab: Die Finanzierung ist immer enthalten, Delkredere und Dienstleistung je nach Variante.
Grundablauf von Factoring
Im Grundablauf entsteht zunächst eine Rechnung aus Lieferung oder Leistung. Diese Forderung wird an den Factor übermittelt, geprüft und nach Freigabe angekauft. Das Unternehmen erhält einen Vorschuss, der Kunde zahlt später an die vorgesehene Zahlungsempfangsstelle, und der Restbetrag wird nach Zahlungseingang oder vertraglicher Abrechnung ausgekehrt.
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Leistung oder Lieferung
Das Unternehmen erbringt die vereinbarte Leistung oder liefert die Ware an den Kunden.
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Rechnung
Aus der Leistung entsteht eine Forderung mit Zahlungsziel.
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Übermittlung an den Factor
Die Rechnung beziehungsweise Forderung wird an den Factor übermittelt und geprüft.
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Auszahlung
Nach Ankauf und Freigabe zahlt der Factor einen Großteil des Rechnungsbetrags aus.
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Zahlung durch den Kunden
Der Kunde begleicht die Rechnung später an die vereinbarte Zahlungsempfangsstelle.
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Abrechnung
Der Restbetrag wird nach Zahlungseingang oder vertraglicher Frist abzüglich Kosten und möglicher Abzüge ausgekehrt.
Für den Überblick reicht diese Grundlogik. Die genaue Mechanik mit Debitorenprüfung, Vorschuss, Sicherungseinbehalt, Restzahlung, Reklamationen und Risikoverteilung wird auf der Seite Wie Factoring im Detail funktioniert erklärt. Ein durchgerechnetes Rechenbeispiel mit allen Beträgen macht die Zahlungsströme im Einzelfall greifbar.
Die drei Beteiligten
Beim Factoring sind immer drei Parteien beteiligt. Diese Konstellation unterscheidet das Verfahren grundsätzlich von einem zweiseitigen Kreditverhältnis zwischen Bank und Unternehmen.
| Beteiligter | Rolle |
|---|---|
| Unternehmen (Factoring-Kunde) | Liefert die Ware oder Leistung, stellt die Rechnung und verkauft die daraus entstehende Forderung an den Factor. |
| Factor (Factoringgesellschaft) | Kauft die Forderung an, zahlt den Vorschuss aus, übernimmt beim echten Factoring das Ausfallrisiko und je nach Modell auch Teile des Forderungsmanagements. |
| Debitor (Endkunde) | Empfängt Ware oder Leistung, schuldet die Zahlung und überweist sie nach der Abtretung an die vorgesehene Zahlungsempfangsstelle. |
Der Debitor ist beim Factoring der eigentliche Schuldner. Seine Bonität bestimmt maßgeblich, ob und zu welchen Konditionen eine Forderung angekauft wird. Der Factor prüft deshalb nicht nur das Unternehmen selbst, sondern vor allem die Zahlungsfähigkeit der Kunden, gegen die Forderungen abgetreten werden sollen.
