Recht und Vertrag

Zession: Arten und Bedeutung im Factoring

Wie die Zession als juristische Form der Forderungsabtretung im Factoring eingesetzt wird, welche Arten es gibt und worin sich Zession und Factoring unterscheiden.

Benjamin Bohrmann Redaktion: Benjamin Bohrmann  |  Zuletzt fachlich geprüft: 28. Mai 2026
Abtretungsschema zur Zession mit Zedent, Zessionar, Debitor und einer Forderung, die vom bisherigen an den neuen Gläubiger übertragen wird.
Kurz gesagt
Die Zession ist der juristische Begriff für die Forderungsabtretung nach § 398 BGB. Sie ist das technische Übertragungsmittel, mit dem Forderungen im Factoring vom Verkäufer auf den Factor übergehen. Unterschieden werden Zessions-Arten nach Umfang (Einzel-, Mantel- und Globalzession) und nach Offenlegung (offene und stille Zession). Im laufenden Factoring ist die Globalzession häufig der Regelfall.

Wer sich mit Factoring befasst, stößt schnell auf den Begriff Zession. Er klingt fremd, beschreibt aber einen alltäglichen Vorgang: die Übertragung einer Forderung von einem Gläubiger auf einen anderen. Dieser Beitrag erklärt, was die Zession zivilrechtlich ist, welche Arten unterschieden werden, wie sie sich im Factoring auswirkt und worin Zession und Factoring sich unterscheiden. Die Einordnung in den größeren Rechtsrahmen findet sich auf der Übersichtsseite zu Recht und Vertrag im Factoring; eine umfassende Einordnung des Forderungsverkaufs insgesamt bietet unser Überblick zum Factoring.

Zession: Begriff und rechtliche Grundlage

Zession ist der juristische Fachbegriff für die Abtretung einer Forderung. Geregelt ist sie in § 398 BGB. Danach kann eine Forderung durch Vertrag zwischen dem bisherigen Gläubiger und einem neuen Gläubiger auf diesen übertragen werden. Mit Wirksamwerden der Zession tritt der neue Gläubiger an die Stelle des bisherigen.

Zession
Zession ist der vertragliche Übergang einer Forderung vom bisherigen Gläubiger (Zedent) auf einen neuen Gläubiger (Zessionar) nach § 398 BGB. Inhalt und Höhe der Forderung bleiben unverändert; der Schuldner ist nicht Vertragspartei der Zession.

Im Sprachgebrauch werden Zession und Forderungsabtretung synonym verwendet. Zession ist die lateinisch geprägte juristische Bezeichnung, Forderungsabtretung die deutsche Übersetzung desselben Vorgangs. Wer eine Forderung zediert, tritt sie ab. Die zivilrechtliche Mechanik dahinter, also die Wirkung gegenüber dem Schuldner, die Schutzregeln der §§ 404 ff. BGB und die Anzeige der Abtretung, ist Gegenstand des Beitrags zur Forderungsabtretung im Factoring. Auf dieser Seite geht es um die Zession als Übertragungsform und ihre Bedeutung im Factoring.

Arten der Zession

In der Praxis werden Zessions-Arten nach zwei voneinander unabhängigen Kriterien unterschieden: nach dem Umfang der abgetretenen Forderungen und nach der Offenlegung gegenüber dem Schuldner. Beide Dimensionen lassen sich frei kombinieren, sodass eine konkrete Zession etwa als stille Globalzession oder als offene Einzelzession ausgestaltet sein kann.

Übersicht der Zessions-Arten nach Umfang (Einzel-, Mantel- und Globalzession) und nach Offenlegung (offene und stille Zession).
Zessions-Art Kriterium Bedeutung
Einzelzession Umfang Abtretung einer einzelnen, konkret bezeichneten Forderung.
Mantelzession Umfang Abtretung eines wechselnden Forderungsbestands bis zu einem vereinbarten Rahmen; neue Forderungen werden regelmäßig nachgemeldet.
Globalzession Umfang Abtretung aller gegenwärtigen und künftigen Forderungen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb. Bei Entstehen einer neuen Forderung greift die Abtretung automatisch.
Offene Zession Offenlegung Der Schuldner wird über die Abtretung informiert.
Stille Zession Offenlegung Der Schuldner wird über die Abtretung nicht informiert.

Welche Kombination gewählt wird, hängt vom Sicherungszweck und von der gewünschten Außenwirkung ab. Banken setzen im Kreditgeschäft häufig auf die stille Globalzession, weil sie den laufenden Geschäftsbetrieb des Kreditnehmers nicht stört. Im Factoring ist die Konstellation eine andere.

Zession im Factoring

Im Factoring ist die Zession das technische Mittel, mit dem die Forderung vom Verkäufer auf den Factor übergeht. Üblicherweise wird die Zession bereits im Rahmenvertrag als Globalzession vereinbart: Alle gegenwärtigen und künftigen Forderungen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb gehen mit ihrer Entstehung auf den Factor über. Diese Konstruktion ist Bestandteil des Factoringvertrags und sichert dem Factor den ungehinderten Zugriff auf die angekauften Forderungen.

Daneben kommen Einzelzessionen vor, etwa beim Einzelfactoring, bei dem eine einzelne Forderung gezielt an den Factor abgetreten wird. Auch das Ausschnittsfactoring nutzt eine eingeschränkte Globalzession, die sich auf bestimmte Debitoren, Forderungsarten oder Geschäftsbereiche beschränkt. Welche Variante zum Einsatz kommt, beschreibt die jeweilige Factoring-Art; ein Überblick findet sich im Beitrag zu den Factoring-Arten.

Bei der Offenlegung ist das Bild im Factoring etwas anders als im klassischen Kreditgeschäft. In der Praxis ist Offenes Factoring häufig anzutreffen; die Abtretung wird dem Debitor angezeigt. Das Stille Factoring kommt vor, ist aber seltener und wird typischerweise an die Bonität des Verkäufers geknüpft.

Zession und Factoring im Vergleich

Zession und Factoring werden häufig gleichgesetzt, sind aber zwei unterschiedliche Begriffsebenen. Die Zession ist ein zivilrechtlicher Übertragungsvorgang; Factoring ist ein wirtschaftliches Modell, in dem die Zession als technisches Mittel verwendet wird. Im Factoring kauft der Factor die Forderung an, zahlt einen Vorschuss und übernimmt beim Echten Factoring zusätzlich das Bonitätsrisiko. Bei einer Zession außerhalb des Factorings, etwa als Sicherheit für einen Bankkredit, findet kein Kauf statt; die Forderung bleibt wirtschaftlich beim Zedenten und dient nur der Sicherung.

Vergleich von Zession und Factoring: Zession ist die rechtliche Forderungsabtretung, Factoring das wirtschaftliche Modell des Forderungsverkaufs.
Zession
  • Zivilrechtlicher Übertragungsvorgang nach § 398 BGB
  • Häufig zur Sicherung eines Kredits (Sicherungszession)
  • Forderung verbleibt bilanziell beim Zedenten
  • Beleihung häufig nur eines Teils des Forderungswerts
  • Keine typische Factoring-Leistung wie laufender Forderungskauf, Vorschuss und Service
Factoring
  • Wirtschaftliches Modell mit Forderungskauf
  • Zession ist das technische Übertragungsmittel
  • Beim Echten Factoring true sale, Forderung kann ausgebucht werden
  • Vorschuss auf einen großen Teil der Forderungssumme
  • Optional Service-Funktion: Debitorenmanagement, Mahnwesen

Aus dieser Unterscheidung folgt auch, dass die Beleihungslogik unterschiedlich ist. Bei einem Zessionskredit gewährt die Bank ein Darlehen und nimmt die abgetretenen Forderungen als Sicherheit; das Ausfallrisiko verbleibt regelmäßig beim Kreditnehmer. Beim Echten Factoring kommt zusätzlich ein Risikotransfer hinzu, weil der Factor das Bonitätsrisiko des Debitors übernimmt. Beim Unechten Factoring bleibt das Bonitätsrisiko dagegen beim Verkäufer.

Sicherungszession und konkurrierende Sicherungsrechte

Die Sicherungszession ist eine besondere Form der Zession. Sie überträgt eine Forderung nicht endgültig, sondern nur zur Sicherung einer anderen Forderung, typischerweise eines Bankkredits. Wirtschaftlich bleibt die abgetretene Forderung beim Zedenten; sobald der gesicherte Kredit zurückgeführt ist, fällt die Sicherungsabtretung weg. Diese Konstruktion wird im Factoring nur ausnahmsweise verwendet, kann aber im Verhältnis zum Unechten Factoring eine Rolle spielen, bei dem die Abtretung wirtschaftlich Sicherungscharakter hat.

Praktisch wichtig wird die Sicherungszession dort, wo mehrere Sicherungsrechte konkurrieren. Wenn ein Unternehmen Forderungen an die Hausbank zur Sicherung eines Kredits abgetreten hat und später einen Factoringvertrag abschließt, treten zwei Abtretungen in Konkurrenz. Hier greift das Prioritätsprinzip.

Prioritätsprinzip und verlängerter Eigentumsvorbehalt

Werden Forderungen mehrfach abgetreten, entscheidet grundsätzlich die zeitliche Reihenfolge: Die zeitlich erste wirksame Abtretung hat Vorrang. Eine Sonderkonstellation entsteht beim verlängerten Eigentumsvorbehalt von Lieferanten, weil dieser ebenfalls auf die Weiterverkaufsforderungen zugreift. Kollidieren beide, kann eine Globalzession an den Factor nach § 138 BGB als Übersicherung sittenwidrig sein. Saubere Factoringverträge sehen für diese Fälle Vorrangregelungen vor; vor Vertragsabschluss sollte geklärt sein, ob die Forderungen bereits an Dritte abgetreten sind.

Voraussetzungen einer wirksamen Zession

Damit eine Zession wirksam ist, muss die Forderung bestehen oder zumindest hinreichend bestimmbar entstehen können, und sie muss abtretbar sein. Ein vertragliches Abtretungsverbot kann die Wirksamkeit beeinträchtigen. Im B2B-Geschäft greift dann häufig die Ausnahme nach § 354a HGB: Stellt das Geschäft für beide Seiten ein Handelsgeschäft dar, ist die Abtretung trotz vertraglichem Abtretungsverbot regelmäßig wirksam. Die zivilrechtlichen Detailregeln zur Abtretung gehören zur Mechanik der Forderungsabtretung im Factoring.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Zession und Forderungsabtretung?

Zession und Forderungsabtretung meinen denselben Vorgang. Zession ist die juristische Fachbezeichnung lateinischer Herkunft, Forderungsabtretung die deutsche Übersetzung. Beide Begriffe beschreiben die Übertragung einer Forderung vom bisherigen Gläubiger auf einen neuen Gläubiger nach § 398 BGB. In Fachtexten werden die Begriffe synonym verwendet; in Vertragstexten überwiegt die deutsche Form, in der juristischen Literatur die lateinische.

Was ist der Unterschied zwischen Zession und Factoring?

Zession und Factoring sind zwei unterschiedliche Begriffsebenen. Die Zession ist ein zivilrechtlicher Übertragungsvorgang nach § 398 BGB; Factoring ist ein wirtschaftliches Modell, in dem die Zession als technisches Mittel verwendet wird. Beim Factoring kauft der Factor die Forderung an, zahlt einen Vorschuss und übernimmt beim Echten Factoring zusätzlich das Bonitätsrisiko. Eine reine Zession ohne Factoring dient typischerweise der Sicherung eines Bankkredits, ohne dass die Forderung verkauft wird.

Was ist eine Globalzession?

Die Globalzession ist die Abtretung aller gegenwärtigen und künftigen Forderungen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb. Sobald eine neue Forderung entsteht, geht sie automatisch auf den Zessionar über. Im laufenden Factoring ist die Globalzession häufig der Regelfall; sie wird typischerweise im Rahmenvertrag vereinbart und ermöglicht den laufenden Forderungsverkauf, ohne dass jede einzelne Forderung gesondert übertragen werden muss.

Was ist der Unterschied zwischen Zession und Sicherungszession?

Bei der Vollzession geht die Forderung endgültig auf den neuen Gläubiger über; der Zedent hat keine wirtschaftliche Bindung an die Forderung mehr. Die Sicherungszession dagegen überträgt die Forderung nur zur Sicherung einer anderen Forderung, typischerweise eines Bankkredits. Wirtschaftlich bleibt die abgetretene Forderung beim Zedenten; mit Rückzahlung des gesicherten Kredits fällt die Abtretung weg. Beim Echten Factoring steht die endgültige Forderungsübertragung im Vordergrund; die Sicherungszession spielt eher beim Zessionskredit und in Verbindung mit dem Unechten Factoring eine Rolle.

Quellen
  • § 398 BGB: Abtretung einer Forderung (gesetze-im-internet.de)
  • § 138 BGB: Sittenwidriges Rechtsgeschäft (gesetze-im-internet.de)
  • § 354a HGB: Abtretungsverbote im Handelsverkehr (gesetze-im-internet.de)